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Die große Klappe der Digitalisierung

Wir werden alle immer konfliktscheuer im echten Leben und dafür umso lauter und kaltschnäuziger auf anderen wegen. Es muss nicht immer gleich Cybermobbing sein, um andere Menschen digital zu dissen. Meistens passiert das ganz schnell viel privater: Im eigenen Freundeskreis.

©Juan Ignacio Garay

Die Studie „Americans and Text Messaging” deutet an, dass Textnachrichten persönliche Telefonate in Zukunft abschaffen könnten. Hierbei wurden 2277 Menschen ab 18 Jahren zu ihrem Kommunikationsverhalten befragt. Es gaben 31% lieber Textnachrichten zu erhalten, als angerufen zu werden und auch die Anzahl von täglich, bis zu 50 erhaltenen Nachrichten, ist beachtlich.

Man bekommt den Eindruck als wären Telefonate oder gar Gespräche von Angesicht zu Angesicht schon vollkommen last season. Durch diesen erhöhten unpersönlichen Austausch kann es schnell und oft zu Zickereien kommen.

Was ist so schlimm an der Textkommunikation?

 

  • Schneller schreiben als denken: Wenn wir uns nur Buchstaben schicken und das durch Apps oder Messenger sogar kostenlos, gehen wir unseren Gefühlsregungen schneller nach. Gute Laune, schlechte Laune, kranke Laune – alles wird schnell und direkt kommuniziert. Wir nehmen uns keine Zeit zum Nachdenken, Abwägen und Reflektieren. Es wird die ganze Zeit reagiert und das so schnell die Finger tippen können
  • Gesichtslosigkeit: Wenn wir eine Nachricht lesen, kann viel interpretiert werden. Wir hören die Stimme des anderen als Genörgel, als Beschwerde oder gar als Schrei. Ein anderes Mal merken wir wieder nicht wie sehr wir jemanden beleidigt haben oder wie ernst es der Person war. Worten gegenüber empfinden wir keine Loyalität und ohne Tränen und faltige Stirne zu sehen, kommunizieren wir alle Probleme mit hübschen Smileys weg.
  • Zu viel, zu oft, zu lang: Gerade Absprachen und Diskussionen bieten sich nicht im Textformat an, denn man kommt einfach nicht auf den Punkt. Immer wieder können neue Aspekte ausgekramt, die Meinung fehl verstanden oder ignoriert werden. Dafür nimmt sich jeder viel Zeit, denn so schnell wie wir sprechen, schreiben die wenigsten und so wird wichtige Lebensenergie verbraten. Es werden auch viel mehr banale Dinge diskutiert, die sonst einfach eigenständig festgelegt worden wären oder manches überhaupt nicht als verbindlich angesehen.

 

Freundschaften können so leicht totkommuniziert werden. Sinnvoll ist es, sich vor dem Abschicken zu überlegen, ob man die gerade getippten Worte auch aussprechen würde oder sie wirklich heimlich hinter einem Vorhang/Badezimmer/Geheimversteck/schalldichten Raum laut ausspricht. Die digitalen Kommunikationswege sind viel zu schön und vielseitig, als dass wir sie zum Stressfraktor machen sollten, also seid mit den Fingern nicht stärker, als in einem persönlichen Gespräch und erzieht euch selbst ein bisschen.

Oder hat etwa jemand von euch wirklich noch nie sein Telefon oder seinen Laptop lauthals beleidigt, als eine Nerv-Nachricht ankam? Traut ihr euch noch wichtige Dinge akustisch anzusprechen?

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1 Kommentar
K♥tzbröckchen 17.09. – 23.09. | Kotzendes Einhorn schreibt
[...] Kritikpunkte in eben diesen Kommentaren. Aber ein gewisses Schema lässt sich da erkennen. Die Yummy Geeks beschäftigen sich mit der digitalen Kommunikation. Ihr wisst, ich mag das, ich schätze Eure Anonymität, aber ich hasse Eure [...]
 
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