Dieses wunderbare Gefühl, das sich Liebe nennt, fliegt besonders im Internet umher. Gegenüber allen Vorurteilen, dass nur sozialinkompetente Versager online nach Beziehungen suchen, denke ich, dass wirklich jeder zum Flirten im Netz verführt wird. Ein Like hier, ein witziger Kommentar da und schwups gibt es da eine kleine Spannung im Raum und einen Schmunzler im Gesicht.
Gefühle zwischen Menschen brauchen nicht immer die Anwesenheit des anderen. Schon im 18. Jahrhundert hat man sich regelmäßig in Liebesbriefe verguckt, idealisiert und geschwärmt. In der Zeit des Internets ist das ähnlich. Wir landen gemeinsam mit unseren Hormonen in einem Netzwerk, das weltweit verknüpft ist und in dem jeder Mensch Buchstaben, Bilder und Videos rund um die Uhr von sich posten und verteilen kann. Es ist kein Wunder, dass hier geflirtet wird.
Online haben wir zwar augenscheinlich eine schnelle Verbindung zur Welt, gleichzeitig fühlen wir jedoch einen enormen Abstand im Vergleich zur realen Welt. Wir fühlen uns sicher in unseren vier Wänden oder in der Bahn während wir andere followen, ihnen Freundschaften anbieten oder deren Pinnwand vollkritzeln. Durch Communitys und Services wie Twitter und Dailybooth basteln wir uns ein Bild von anderen Personen, das durch deren gesteuerte Kommunikation entsteht.
Schnell findet man dann jemanden interessant, wenn die Sprüche immer witzig und die Bilder meist spitze aussehen. Durch die scheinbare Anonymität entwickeln einige von uns Flirt-Superkräfte, die im echten Leben niemals entstehen würden. Mit der Sicherheit im Nacken wagen wir den ersten Schritt viel schneller als im echten Leben. Die Angst vor Zurückweisung ist viel geringer und so sind ein paar Wörter schnell verfasst, mit denen man auf den Lieblingsfilm im Profil oder den zuletzt gehörten Song auf der Last.fm-Playlist anspielt. Das Tempo kann selbst bestimmt werden und damit erübrigt sich auch die Angst vor Aussetzern, Stotterern oder falscher Wortwahl. Einmal in den Aufmerksamkeitsstream des anderen geschafft, kann man offensiv oder unterschwellig Botschaften senden.
Man bekommt keine direkte Reaktion, muss dem anderen nicht in die Augen sehen und kann sich zumindest eine Zeit lang einreden, dass der andere eben einfach noch nicht gelesen hat, was man schrieb. Auch die Angst vor der Meinung anderer wird minimiert, denn der Onlineflirt ist oft wie ein kleines Geheimnis. Man stellt sich nicht gleich dem Freundeskreis der anderen Person und brauch auch keine Angst vor Gruppendynamiken haben. Es kann ein klarer Vorteil sein, neue Partner außerhalb des eigenen Bekanntenkreises zu suchen, denn in manchen Fällen nehmen die Verbandelungen in diesem Radius schon GZSZ-Ausmaße an.

Gerade Twitter entpuppt sich langsam als Singlebörse. Teresa Bücker, Eva Horn und Nadine Lantzsch haben auf der re:publica in diesem Jahr einen Vortrag über das Flittern (Flirten auf Twitter) gehalten. Es reichen 140 Zeichen und ein #hach, um einen anderen Menschen zumindest kurzzeitig zu bezaubern. Auch wir interviewten Paare, die sich über Twitter kennengelernt haben und mit ihren Turteleien die Timeline ihrer Follower verstopft haben. Während bisher nur der followfriday (#ff) ein gängiger Hashtag ist, könnte der „Fall in Love Friday“ (#filf») vielleicht das nächste große Ding werden und wem das nicht reicht, der läd eben seine tilf-Liste (Twitterer I’d like to fuck) hoch.
Die Facebook-Applikation „Like me, Date me“ macht das ganze noch einfacher und eindeutiger. Hier loggt man sich mit seinem Facebookprofil ein. Auf der Seite von „Like me, Date me“ seht ihr alle Profile der User, die diesen Service nutzen und könnt die Profile dann liken. Falls das Objekt der Begierde jedoch noch vergeben ist, kann man auch eine andere Applikation, den Breakup Notifier, aktivieren und so sofort informiert werden, wenn die Person seinen Beziehungsstatus ändert.
Wer also in der Version 2.0 flirtet, ist nicht sozialinkompetent. Er oder sie vergrößert den Radius der potenziellen Liebschaften und minimiert seine Hemmschwelle. Durch das Eingehen auf bereits bekannte Fakten und Daten aus den Profilen wirken erste Schritte um ein vielfaches charmanter als ein „Na wie geht’s denn so?“ an der Bar.
Ihr könnt YummyGeeks auch auf Facebook und Twitter verfolgen. Los!
Ein geekiges ♥ für Blogs
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Ich mag das! :) Alles so wahr. Kanns nur nich leiden, wenn mich jemand fremdes anstubst und gruschelt und so :D
Toller Artikel! (und schniekes, neues Design btw)
Mich stubst und gruschelt übrigens niemand und flittern ist mir auch ziemlich fremd... Aber ich finds gut, wenn sich Leute so im Netz finden. Viele halten das ja noch für ein bisschen verpöhnt, aber mittlerweile ist es ja eigentlich Gang und Gäbe. Und es macht auch Sinn, weil man in seinem näherem Umfeld, wozu dann auch mal Freundesfreude zählen sollen, eben doch nicht immer der passendste Partner versteckt ist :)
@Sumi: Na von Fremden lässt man sich ja auch nicht gruscheln, das ist obszön ( ;
@Marco: Wir waren auch überrascht, dass in den Interviews nur wenige sagten ihre Familie und Freunde würden das merkwürdig finden. Welcome to da future. Der Begriff "flittern" wird vielleicht zu ernst genommen, da geht es auch um neckisches Angraben und flotte Sprüche, die den anderen aus der Reserve locken sollen.
[...] Ein Thema, dass mich irgendwie verfolgt. Mit elv flirte ich ja wirklich sehr gerne und die hat einen sehr schönen Artikel zu dem Thema veröffentlicht. Lesen kann man den bei Yummy Geeks. [...]