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Öffentliches Auskotzen – Schlechte Laune online

Wenn uns etwas nervt, lassen wir das gern raus. Mittlerweile wird das Netz viel zu oft dafür benutzt. Während man früher alles in sich hineinfressen musste, bis man jemanden traf, der sich seinen Unmut anhören durfte, geht das heute viel einfacher über Facebook und Twitter. Werden wir zu Luxusnölern?
öffentliches auskotzen

© Farah och Lenny

Als in der Nacht zum Montag in Berlin ein Feuer an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt gelegt wurde, ging lange Zeit nichts mehr und der Berufsverkehr am Montagmorgen war ein Chaos. Auch wenn ich nicht betroffen war, erfuhr ich schnell davon, denn meine Timeline war vollgeknallt mit Wutausbrüchen. Beleidigungen gegenüber der immer wieder versagenden Bahn und Worte wie „Scheiß, Drecks, Hass..“. flogen mir am Morgen ins Gesicht. Natürlich mit vielen Ausrufezeichen.
Als ich am späten Abend in einem überfüllten Bus stand, in dem sich eine Schlägerei anbahnte, schrieb ich zusammenhangslos „Aggressionen im 265er Bus“ in meine Timeline und bekam erschreckend schnell Antwort. Leute sagten mir, wo sie gerade steckten, wollten wissen was los ist oder mir erklären warum gerade Chaos ist. Es gab auch einige Likes.

Warum machen wir das?

Wenn und etwas Schlechtes passiert, wollen wir uns mitteilen. Das war schon immer so, aber im Gegensatz zu facebooklosen Zeiten, in denen wir beste Freunde anriefen, können wir nun viel lauter in unsere Timeline schreien. Wir kotzen uns aus und erwarten Antworten oder Mitleid. Wir möchten nicht allein dastehen mit dem schlechten Gefühl und brauchen andere Menschen, die auch gerade in der Bahn steckenbleiben, denen auch etwas kaputt gegangen ist oder die den Schmerz kennen, wenn man sich das Knie an der Tischkante angeschlagen hat. Es sind unsere kleinen Hilfeschreie, die sich zu Selbstmitleidskonzerten aufbauen und es einfacher als zuvor machen zu glauben, der Tag sei scheiße verlaufen. Die Reaktionen der anderen, die einem dann antworten, verstärken dieses Gefühl nur noch. Es passiert also schnell, dass wir denken es sei alles schlimmer als gedacht und die Genervtheit potenziert sich. Am schlimmsten sind dabei noch Anspielungen an andere Menschen, mit denen man ein Problem hat. Daraus wachsen dann Streits in der Öffentlichkeit.
Auch wenn unser Tag gut war, werden wir von den anderen Mackerupdates hingerissen auch nach etwas zu suchen, das uns nicht passt, damit wir Aufmerksamkeit bekommen, weil uns gerade die Einsamkeit 2.0 packt. Es ist so ein flauschiges Gefühl liebe Worte aus seinem geichtslosen Netzwerk zu bekommen.

Öffentliches Meckern als Selbsttherapie?

Angestaute Gefühle raus zulassen ist wichtig, doch die Frage ist immer, ob es wirklich alle 150 Facebookfreunde hören oder lesen müssen. Kollektives Nörgeln macht natürlich auch Spaß und manchmal sogar kreativ. Bevor ihr jedoch in jedem Adrenalinschwall zum Smartphone oder der Tastatur greift, denkt kurz darüber nach, atmet einmal durch und fragt euch, ob diese Nachricht wirklich an alle rausgehen soll.

Alternativ bleibt immer noch der Anruf bei der besten Freundin oder ihr baut euch mit euren liebsten Diskussionspartnern eigene Gruppen, in der jeder loslassen darf, was er will und wann er will. Da darf man dann auch Mit- leid erwarten. Wenn ihr jemandem auf seinen Hilfeschrei antworten wollt, macht das per Mail und nicht auf der Wall. Niemand sollte per Kommentar fragen: „Was ist denn passiert?“

Komischer Weise sind es aber immer genau die Kontakte, die man nur aus Höflichkeit angenommen hat, die auf solche Postings am meisten reagieren. Vielleicht liegt das daran, dass eure wahren Freunde denken: „Nun reg dich mal ab!“, so aber nicht kommentieren und euch nicht wieder auf den Boden der Tatsachen bringen. Denkt mal drüber nach!

Fakt ist, dass uns soziale Medien manchmal überfordern und wir noch viel lernen müssen im Umgang mit ihnen, damit Freundschaften von ihnen profitieren und nicht zerstört werden.

Ihr könnt YummyGeeks auch auf Facebook und Twitter verfolgen. Los!

 
2 Kommentare
Lenny schreibt
Heey,
Glad you like our pictures, and so honored you used it for your website.
Unfortunately we don't speak german, but google translate helped us get a clue what the entry was about ;)

take care!
<3
dasmiau schreibt
Also das "Auskotzen" hab ich bei Facebook noch nicht so mitbekommen. Nur von einer Person, aber die ist auch in Wirklichkeit immer so drauf mit Sätzen "H*r*ns*hn Facebook", "BIN AGGROOOO ALTER" etc. ...

Mich nervt eher dieses "Alles ist SUPERMEGAGIGANTISCHGEIL bei mir" "Alles perfekt" "SUPER GEILE PARTY" nächsten Tag "MEGAGEIL Party" .. Nie was negatives eigentlich. Nur, dass alles megageil ist. Find ich auch irgendwie falsch ^^ (bzw unehrlich), denn IMMER gut kann es einem nicht gehen, oder doch?
 
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Leo in Hört auf Konzerte zu filmen! Ein Appell.
Hey danke für den text sitze gerade an meiner deutschhausaufgabe und dreimal dürft ihr raten worüber. Ja genau eine erörterung zu genau diesem text.
Ich weiß ist etwas unnormal das man die quelle googlet aber es hat mich interessiert ob es den text und diese seite wirklich giebt. Und was soll ich [...]
Thorsten Belzer in Hört auf Konzerte zu filmen! Ein Appell.
Das ist echt ne anstrengende Sache, als Zuschauer immer die Smartphones vorm Gesicht zu haben, Ich wollte genau das, was mich eigentlich nervt an Konzerten, für die Arbeit an diesem Film nutzen! Nämlich alle Konzertmitschnitte einsammeln und daraus ein Musik Video machen. Heraus kam das CrowdMusicVideo!
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